Marc van der Poel

Kunst ist, wenn man's nicht kann
- denn wenn man's kann, ist's keine Kunst

 
Finanzkrise in der Mathilde
Mittwoch, 06. Mai 2009 um 09:10
Marc in der MathildeGestern habe ich am Poetry Slam im Hamburger Literaturcafé Mathilde teilgenommen. 10 Autoren hatten je fünf Minuten Zeit, um ihre Texte zum Thema „Finanzkrise“ zu präsentieren. Das Publikum durfte dann den Sieger des Abends bestimmen. Ich hatte meine Geschichte „Sterntaler“ und zwei Freundinnen zur moralischen Unterstützung mitgebracht. Die kleine Mathilde war voller Menschen und es hat Spaß gemacht, dort zu lesen.

Ich halte sonst nicht so viel davon, aus einer Lesung einen Wettkampf zu machen. Schließlich geht es um den Spaß an der Sache, um das Gemeinschaftserlebnis und auch etwas um Kunst. Aber auf den als Siegespreis ausgelobten Frühstücksgutschein war ich schon ein bisschen scharf. In der Mathilde kann man nämlich sehr lecker essen. Das Frühstück hat verdientermaßen ein anderer gewonnen. Und so muss ich meine Mahlzeiten in der Mathilde bis auf weiteres selber bezahlen. Es war aber schön, an diesem Abend dabei zu sein, vorzutragen und die vielen tollen Texte der anderen zu hören.
 

Zwischenstation

Hans lehnte sich gegen ein Waschbecken, zog ein Etui aus der Tasche seines Jacketts, nahm zwei Zigaretten heraus, reichte Willi eine davon und gab ihm Feuer. "Rauchverbot! Die Menschheit wird verrückt. Aber ich stell mich nicht raus in die Kälte."
Er schüttelte den Kopf. "Mensch Willi, wie lange ist es her, dass wir beide heimlich zusammen auf dem Klo geraucht haben? Sechzig Jahre?"

aus "Zwillinge"

Herzklopfen und andere Lebenszeichen

Es gibt hier nur einen Highway. Und zwei Richtungen. Sie kam aus der anderen. Auch sie hat kein Geld mehr. Hat mir mit ihren letzten Dollars eine Mahlzeit spendiert. Und ein gemeinsames Hotelzimmer. Morgen stehen wir beide auf der Straße. Zwei Deutsche am Ende einer leeren Fahnenstange. In Shithole-Town, Nevada, USA.
Julia hat Pullover und Jeans ausgezogen und sitzt im Schneidersitz auf dem Bett. Sie sieht mich an.

aus "Sterntaler"